Sie haben umfangreiche Erfahrungen in verschiedenen Unternehmen gesammelt. Hat sich der vorherrschende Führungsstil im Laufe der Zeit verändert?
„Im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, dass sich der Führungsstil von einem direktiven zu einem eher integrativen-unterstützenden Stil entwickelt hat. Mein oberstes Ziel als Führungskraft war es schon immer, meine Teammitglieder zum Strahlen zu bringen, indem ich ihnen die Unterstützung biete, die sie brauchen, um ihre Aufgaben bestmöglich zu erfüllen. Mein Führungsstil konzentriert sich darauf, Unterstützung zu bieten und mein Fachwissen zu nutzen, um anderen zu helfen, wo ich nur kann.
In meiner derzeitigen Position sehe ich, dass es einen stärkeren Bedarf an praktischer Führung gibt. Dies ist vor allem deshalb der Fall, weil unser Unternehmen schnell wächst und wir nur dann neue Mitarbeiter einstellen, wenn die Arbeitsbelastung zu groß wird. Infolgedessen muss ich manchmal meine ursprüngliche Rolle erweitern und auf eine Weise eingreifen, die in großen Unternehmen weniger üblich ist. Ich bin stark in das Geschäft und die Zahlen eingebunden und verstehe, was die Kunden bewegt. Ich lese zum Beispiel täglich Kundenrezensionen und bin eng in die Kundeninteraktionen eingebunden. Das ist ein wesentlicher Aspekt meiner Führungsrolle.“
Was hat Sie bei Ihrer Berufswahl angetrieben?
„Nach meinem Studium wollte ich für eine Verbrauchermarke arbeiten, es war eine Welt, von der ich ein Teil sein wollte. Ich hatte eine Auswahl von Unternehmen getroffen, die mich interessierten. Bei Beiersdorf hatte ich die Möglichkeit, ein Praktikum zu absolvieren und meine Abschlussarbeit zu schreiben. Am Ende bin ich elf Jahre dort geblieben, weil ich weiter lernen und wachsen konnte. Im Nachhinein denke ich, dass die Möglichkeit des stetigen Lernens und die Freude an der Arbeit mich immer weiter angetrieben hat, auch bei meiner späteren Berufswahl. Manchmal konzentrieren sich die Leute einfach zu sehr auf das Endziel und die Schritte dorthin, ohne darauf zu achten, was ihnen wirklich Spaß macht, worin sie sich weiterentwickeln wollen und was sie aktuell einfach nur unglaublich gut können. Ich war schon immer pragmatisch, aber ich bin auch ein Perfektionist. Das ist manchmal eine Herausforderung. Ich kann einen Schritt von eins auf vier machen und mit diesem Fortschritt zufrieden sein, aber gleichzeitig weiß ich, dass wir noch nicht fertig sind. Und das Letzte bleibt oft am meisten im Gedächnis hängen. Deshalb bringe ich mir jetzt selbst bei, zuerst den erreichten Schritt zu benennen und danach das Gesamtbild darzustellen. Man kommt Schritt für Schritt voran, es ist eine Reihe von Erfolgen. Bei Pink Gellac passiert das oft: Wir beschließen, etwas zu tun, und dann muss etwas gebaut werden. Man muss wirklich nur einen ersten Schritt machen und von dort aus weitergehen.“
Pink Gellac befindet sich im Besitz des Private-Equity-Investors Vendis. Wie sieht diese Dynamik aus?
„Die Arbeit in einem Private-Equity-Umfeld war für mich anfangs ungewohnt. Ich dachte – fälschlicherweise – vor allem an den Fall V&D, wo der Investor ein Unternehmen mit einem großen Kredit einkauft und diesen Kredit mit den Gewinnen des Unternehmens zurückzahlt. Wenn diese Gewinne aber nicht vorhanden sind, hat man sofort ein Problem. Es gibt aber auch ganz andere Investoren, wie z. B. Vendis, die sich auf Unternehmen konzentrieren, die besonders stark und schnell wachsen können. Sie sind Investoren mit einer langfristigen Vision, und das macht wirklich Spaß. Die Zusammenarbeit war aber auch eine Lernerfahrung für mich – denn es ist manchmal eine Herausforderung zu verstehen, wo die Verantwortung des Investors beginnt und wo sie wiederum endet. Ich versuche, ein Gleichgewicht zwischen Beteiligung und Distanz zu finden, und prüfe manchmal, ob ich sie einbeziehen soll oder nicht. Es geht vor allem um eine offene Kommunikation und darum, zu verstehen, was wir voneinander erwarten können.“
Wofür sind Sie dankbar?
„In meiner beruflichen Laufbahn hatte ich das Glück, dass meine Vorgesetzten mein Engagement und meine Leistungen anerkannten und wertschätzten und mir die Freiheit gaben, Bereiche zu erkunden, die mich interessierten. Diese Freiheit hat mich ermutigt, das zu tun, was ich liebe, und mich in die Richtung zu entwickeln, in der ich gut bin.“